Dem Rätsel auf der Spur

(die Magendilatation)



Wenn ein Kaninchen das Fressen einstellt gärt nach einer Weile der Futterbrei im Magen.

Das Kaninchen gerät schnell in einen lebensgefährlichen Schock mit der Gefahr des Kreislaufzusammenbruchs, in Folge kann der Tod eintreten. Das kann sich innerhalb weniger Stunden ereignen.


Warum stellt ein Kaninchen das Fressen ein? Die EINE Antwort gibt es nicht, es gibt zu viele Möglichkeiten. Von Schmerz durch Unfall oder Krankheit, Zahnprobleme und so weiter kann alles möglich sein.


Aufgasung ist ein akutes gefährliches Geschehen und ein unspezifisches Symptom.

Die intensivmedizinische Akutbehandlung erfordert Wärme, Infusion, schmerz- und krampflösende Medikamente. Weiter eine sofortige Abklärung der Magen-Darm-Passage durch Röntgen um zu beurteilen, ob gepäppelt werden darf.


Vom eigenmächtigen Päppeln zuhause rät die Kaninchenwiese dringend ab denn die Ursache können wir nicht kennen. Wenn die Passage blockiert ist verschlimmern wir den Zustand durch eingeben von Futterbrei. Erst abklären durch röntgen, dann ggf. päppeln.

Das wichtigste Notfallmedikament bei Magendilatation ist Novalgin, noch wichtiger ist es das Kaninchen sofort in die Notfallklinik zu bringen.


Jeder Kaninchenhalter sollte eine Anlaufstelle kennen, eine Notfallklinik oder –praxis mit 24-Stunden-Notdienst. Auch wenn nicht immer Heimtierärzte Dienst haben ist die erforderliche Notbehandlung für Kaninchen mit Aufgasung in jeder guten Klinik möglich und die Klinik auch verpflichtet, den Notfall anzunehmen. Über die nächstliegenden Kliniken sollte sich jeder Halter grundsätzlich informieren bevor es zum Ernstfall kommt! Denn in der Panik bei akutem Notfall erst Notdienste googeln ist keine gute Idee.


Weit über ein Dutzend Aufgasungen, einmal geklärt, ansonsten nur Fragezeichen. Das ist unsere  Bilanz Herbst 2020 bis 2026. Außerdem etliche Phasen von Inappetenz, die noch abgefangen werden konnten und nicht in stationärer Aufnahme endeten, ohne dass auch dafür eine Erklärung gefunden werden konnte.


Kora war die erste die im Herbst 2020 eine Art Inappetenz zeigte, mit Rückzug und leichter Apathie. Das hielt ca. 2 Stunden an und regulierte sich wieder mit Notfallmedikamenten, großes Glück gehabt. Ursache nie gefunden. Eine Wiederholung des Geschehens 6 Jahre später.


Lotti erwischte es 14 Tage später, sie verweigerte das Fressen, wirkte schlapp und apathisch. Notfallmedikamente griffen nach ein bis zwei Stunden nicht, sie musste stationär aufgenommen werden zur Abklärung, Röntgen, Intensivtherapie.


Die dritte war Nelli, die im Januar 2021 auffiel durch Rückzug, Bewegungsarmut, Futterverweigerung. Notfallmedikamente halfen diesmal noch, am nächsten Morgen war Nelli über den Berg, wurde aber trotzdem einer Kaninchenexpertin vorgestellt, erhöhte Glukose im Urin bestätigte, dass die Darmpassage blockiert gewesen war. Die Ursache blieb zunächst unklar.


Zwei weitere Aufgasungen später, beide nach ungefähr zwei Monaten, beide sehr schwerwiegend und mit stationärer Aufnahme, zeigte sich im Kontraströntgen ein Hinweis auf eine mögliche Erklärung. Eine Dünndarmschlinge war vorgefallen und deutete auf eine angeborene Zwerchfellhernie.


Nelli erhielt zur weiteren Abklärung einen  Bauchultraschall und es zeigte sich ein überraschend schwerer Befund: akute Stauniere. Bis dahin nicht bekannt und kein Symptom das in diese Richtung gedeutet hätte. Immer wieder muss Nelli schwere Nierenkoliken gehabt haben und aufgrund großer Schmerzen stellte sie regelmäßig das Fressen ein. Womit die drei Aufgasungen bei Nelli erklärt waren.


In einer großen nicht ungefährlichen Operation wurde die geschädigte Niere entfernt und Nelli blühte danach auf. Es gab lange keine weitere Aufgasung mehr. Aber irgendwann fing es wieder an, immer um die Zeit des Fellwechsels April oder September, jedes Jahr. Bis zu Nellis letzter Aufgasung am 13. September 2024. Eine Nacht Intensivtherapie in der Klinik und dennoch... in den frühen Morgenstunden des 14. September 2024 musste Nelli erlöst werden.


Das nächste Sorgenkind war Emeran, der im Sommer 2021 zweimal aufgaste im Abstand von 7 Wochen, er wirkte apathisch, schlaff, wollte nicht fressen und verkroch sich in eine Ecke. Er trank auffallend viel Wasser und saß in einer verspannten Körperhaltung. Das Thermometer zeigte Untertemperatur.  Beide Male musste er als Notfall in der Klinik aufgenommen werden.


Ein Blutcheck, ein Zahncheck, ein Allgemeincheck brachte keinen Hinweis. Möglich dass ein Zusammenhang mit der großen Hitze besteht, die an beiden Tagen herrschte, vielleicht kippte der Kreislauf. Möglich dass es nie eine Antwort geben wird. Hier suchten wir lange nach einem Hinweis, beobachteten und bangten ob es wieder auftritt. In Stresssituationen kommt es heute noch vor dass er sich zurück zieht und weniger frisst. Eine konkrete Erklärung gab es aber nie.


Crain reagierte mit Kreislaufproblemen auf eine Impfung im Hochsommer plus stressender Allgemeinuntersuchung mit Blutabnahme und wurde in der Nacht in die Klinik gefahren. Er schaffte die Kurve allerdings selbst und begann im Transporter auf der Fahrt dorthin bereits wieder am Giersch zu zupfen. So musste Crain nur kurz gecheckt werden in dieser Nacht und durfte wieder nach Hause.


Kaninchenwiese zeigt den Teufelskreis der durch Schmerzsymptomatik zur Magendilatation führt anschaulich in einer Grafik.


https://www.kaninchenwiese.de/gesundheit/verdauung-magen-darm/magendilatation/


Viel hängt von der Erfahrung des Halters ab ob die Aufgasung rechtzeitig erkannt wird, einiges von der Intuition und der mentalen Verbindung zum Tier, man spürt es einfach wenn das Tier in Not ist, die Wahrnehmung von Warnzeichen läuft oft nur über das Unterbewusstsein, es hängt auch ab vom Glück und Zufall ob man zuhause ist, ob man die Möglichkeit hat eine Klinik zu erreichen. Es gibt im Alltag so einige unglückliche Verkettungen die vermutlich manchen Kaninchen das Leben kosten.


Und dann liegen sie morgens „plötzlich tot im Stall“…


Klarah z im April 2026

 

 


auf dem Heimweg vom Krankenhaus, eine Niere kam raus